„7 oder 9 Leben?..“ – „Eigentlich egal, die Katze ist tot.“

Nachdem mein Kater gestorben war, war eine der ersten Fragen, die mir auf der Seele brannte: „Hat eine Katze eigentlich 7 oder 9 Leben?“

Ich war immer der Überzeugung gewesen, Katzen hätten 9 Leben. Nach halbwegs ausführlicher Internetrecherche musste ich zu meinem Erstaunen feststellen, dass sich die Menschheit darüber nicht im Klaren ist. Während sie in Deutschland oder aber auch in Spanien und Portugal sieben Leben hatte, so besaß das miauende Geschöpf im angelsächsischen Raum beachtliche neun Leben. Bevor ich jedoch weiter erzähle beginne ich lieber von vorn…

Es würde wohl wie in einer klischeehaften Erzählung klingen, wenn ich jetzt sagen würde, es sei ein ganz normaler Tag gewesen. Aber so war es eben. Meistens sind es ganz normale, unspektakuläre Tage, an denen man mit nichts Bösem ahnt. Der Tag, an dem mein Kater starb war ein solcher Tag gewesen. Nach gerade einmal neun Jahren musste er aufgrund einer, im Fachchinesisch als feline infektiöse Peritonitis bezeichneten Bauchfellentzündung eingeschläfert werden. Wer selbst einen flauschigen Gefährten besitzt weiß wie schwer der Abschied sein kann und dass, egal ob Mensch oder Tier, ein Familienmitglied zu verlieren, sehr schmerzvoll sein kann. Das allerschlimmste für mich war jedoch die Tatsache, dass alles so schnell ging, dass ich keine Zeit mehr hatte mich zu verabschieden. Mein Kater Caruso – liebevoll von mir immer nur Cafu genannt – war mit meinem Hund Balou zusammen mein Ein und Alles. Leider sah ich Cafu immer nur wenn ich zu Besuch bei meiner Mutter war, denn aufgrund der Katzenhaarallergie meiner Mitbewohnerin musste ich diesen schweren Herzens bei meiner Mutter zurücklassen als ich auszog. Grau-getigert, grüne Augen, divenhaft aufmüpfig, redselig und so flauschig, dass Allergiker tatsächlich wahnsinnig geworden wären. Nachdem Cafu ein, zwei Wochen gekränkelt hatte, beschloss meine Mutter sicherheitshalber den Tierarzt aufzusuchen. Dass Cafu immer mal wieder „nicht ganz auf der Höhe“ war, kam des Öfteren vor, da er sich regelmäßig Magenverstimmungen zuzog, nachdem seine Snacks die er sich jagte – meist Ratten, Mäuse oder Vögel samt Ast auf dem sie saßen – wohl über dem empfohlenen Mindesthaltbarkeitsdatum lagen. Nur dieses mal war es eben nicht nur eine Magenverstimmung gewesen. Als ich von der Diagnose erfuhr und dass eine Bauchfellentzündung zu den unheilbaren und tödlichen Katzenkrankheiten gehörte, da war es bereits zu spät. Meine Mutter hatte nicht lange gezögert, auch wenn ihr die Entscheidung sehr schwer fiel, und ließ ihn noch während dieses Tierarztbesuchs einschläfern und erlöste ihn von seinen Qualen. Am selben Abend rief sie mich an und erzählte mir was passiert war.

Ich war wie gelähmt und obwohl ich am Boden zerstört war, weil ich nicht bei ihm sein konnte in diesem letzten Moment und ihm zeigen wie sehr ich ihn lieb hatte, fühlte sich alles nur taub und nebulös an. Die Tage darauf war ich einfach nur traurig und müde, sogar der Appetit verging mir.

Zwei Tage nachdem Cafu eingeschläfert wurde bekam er ein feierliches Begräbnis von dem mir meine Mutter via Messenger Bilder schickte. Meine Mutter und ihr Lebensgefährte hatten für meinen Kater einen schönen Platz unter einem Baum bei einer alten Scheune, die dem Freund meiner Mutter gehörte, ausgesucht. Sie hatten ihn auf seine Lieblingskuscheldecke gebettet und es sah tatsächlich so aus, als würde er da einfach nur ganz friedlich seinen nachmittäglichen Powernap einlegen. Statt dem Obolus für den Fährmann, bekam er eine Schüssel Milch als Wegzehrung mit – in einer Schüssel, die ich ihm mal zum Geburtstag geschenkt hatte.

Mir ist völlig bewusst, dass es sich hier um einen Kater handelt und manche dieses Brimborium für völlig überflüssig halten. „Spielt keine Rolle mehr, es ist jetzt egal….er ist tot.“, das hatte ich schluchzend am Telefon zu meiner Mama gesagt, als sie mir alles erklären wollte und hatte einfach wieder aufgelegt. Und betrachtete man es ganz genau, war es tatsächlich egal, was mit seinem Kadaver passierte. Es war nur eine pelzige Hülle, die anfing sich zu zersetzen. Dennoch bin ich froh über die Mühe die sich meine Mutter machte und das Gedenken, dass sie ihm mir zu Liebe schuf, weil sie wusste, dass ich etwas brauchte um mich im Nachhinein verabschieden zu können.

Mein Kater hatte also alle seine Leben verbraucht. Am liebsten hätte ich ihn danach gefragt, mir das Dilemma mit den 7 oder 9 Leben zu erklären. Er hätte mich wahrscheinlich ratlos angesehen und mit einem fragenden „Mau“ geantwortet. Genauso hätte ich ihn gerne gefragt, was er von seinem Grabstein – vom Unternehmen, dass meine Mutter für die Anfertigung beauftragte, Pfotenstein genannt – hielt. Innerlich amüsierte ich mich darüber, dass meine Mutter sich neben einer Beerdigung auch noch um einen Grabstein für ein Haustier kümmerte und feierte es, auch wenn die ganze Sache etwas verrückte Züge und ganz neue Formen des Irrsinns annahm. Die innere Diva meines geliebten und toten Katers würde wohl zufrieden schnurren.

Um nun zum Anfang zurückzukehren: Ob eine Katze nun 7 oder 9 Leben hatte, spielte in Cafu’s Fall keine Rolle mehr und war auch eigentlich egal. Die Katze ist tot. Ich für meinen Teil würde nur gerne wissen, ob ich mein siebtes Leben riskieren kann, sollte ich eines Tages als Reinkarnation in Form einer Katze mein Unwesen auf dieser Welt treiben. Bei so viel Ungewissheit, weiß ich jedoch eines genau: Egal wie viele Leben mein Kater Cafu wohl gehabt haben mag, er wird auf jeden Fall immer ein Teil meines Lebens und von mir bleiben…